I beg your pardon… High Tea im Raffles Hotel

Zum Abschied aus Deutschland hatten wir von meinen Ex-Kollegen in München einen Gutschein für das Raffles Hotel geschenkt bekommen. Diverse Male hatten wir schon einen Versuch unternommen und einen Tisch fürs Frühstückbuffet dort reserviert – aber aus verschiedenen Gründen immer wieder kurzfristig abgesagt.

Jetzt haben wir es endlich zum High Tea geschafft. High Tea, das heißt übersetzt: sich die Plauze vollhauen mit ungesundem Süßzeug und Dim Sum von 15:30 bis 17 Uhr. Aber in stilvoller Atmosphäre. Dresscode ist Smart Casual. Nix mit Shorts und Flipflops.

Das Raffles Hotel ist wie ein Relikt aus einer anderen Zeit, als die englischen Kolonialherren in Singapur residierten und sich möglichst ihr London in den Tropen nachbauen wollten. Berühmt ist das Raffles Hotel für zwei Ereignisse:

  • Hier wurde der letzte frei lebende Tiger Singapurs 1902 erlegt (angeblich hat er sich unter einem Billardtisch versteckt).
  • Hier wurde der Cocktail Singapore Sling erfunden.

Den Singapore Sling kann man in der Long Bar für schlappe 31 SGD trinken. Das sind knapp über 20 EUR.

Unser High Tea-Erlebnis war dann ganz nett, wobei die Auswahl der Sauereien noch etwas größer hätte sein können. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Hier ein paar Eindrücke eines entspannten Nachmittags:

Das setzt natürlich Maßstäbe für die Verpflegung, wenn wir jetzt in Kürze wieder in Deutschland und bei unseren Eltern zu Gast sind… 🙂

O’zapft is! (Teil 1)

Im August waren wir ja bereits auf dem Straubinger Volksfest „im Bierzelt-Einsatz“ und meine Lederhose hat mittlerweile die Welt schon ein paar Mal umrundet (entfernungstechnisch gesehen): Zuerst hatte ich sie im Umzugscontainer nach Singapur verschifft. Dann habe ich mir doch Sorgen gemacht, weil hier bei der hohen Luftfeuchtigkeit auch mal Sachen anschimmeln können und die Hose bei einer meiner Dienstreisen nach München wieder daheim eingemottet. Jetzt bei unserem Rückflug nach Singapur im August habe ich sie dann spontan wieder eingepackt. Mit gutem Grund.

Wie in vielen Städten in der Welt gibt es nämlich auch in Singapur diverse Oktoberfestveranstaltungen. Teilweise als separate Partyevents organisiert, teilweise von den diversen bayerischen Lokalen in Singapur veranstaltet: z.B. von Paulaner oder von der Restaurantkette Brotzeit. Der Bierpreis dabei steht auf Grund der Verteufelung von Alkohol in Singapur dem in München in nichts nach bzw. übersteigt diesen sogar noch.

Ich durfte letzte Woche dem Oktoberfest vom Swiss Club beiwohnen, anscheinend seit Jahren ein Klassiker:

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Vier Tage lang kann man hier relativ gut bayrisch essen (all you can eat und im Ticketpreis inbegriffen) und Erdinger Weißbier aus Halbliterkrügen trinken (der einzige Kritikpunkt hinsichtlich Authentizität). Wer keine Lust aufs ständige Nachbestellen hat kann eine 3,5 Liter Abfüllvorrichtung (mir fällt kein besseres Wort ein) bestellen, aus der man sich dann selbständig nachzapfen kann.

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Ich hatte eine Karte für Freitag über Infineon bekommen. Freitags ist nämlich der Sponsorentag, wo natürlich hauptsächlich deutsche Firmen engagiert sind. Gefeiert wird selbstverständlich in einem richtigen Bierzelt, das auf dem Sportplatz vom Swiss Club aufgebaut ist und 2000 Personen Platz bietet – selbstverständlich klimatisiert, denn ohne Klimaanlage geht es natürlich in Singapur nicht (wo kämen wir denn da hin!). Da musste ich sofort an unseren letzten Volksfestbesuch im August denken, wo wir bei 36 Grad auch Aircon brauchen hätten können. Los ging’s abends um 19 Uhr. Es waren natürlich viele „Langnasen“ da (viele davon auch in Tracht), aber auch viele Asiaten. Eigentlich eine ganz gute Mischung.

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Neben dem Essen ist eine Halbe Bier im Preis inbegriffen, den Nachschub muss man dann mit Coupons bezahlen. Um 20 Uhr wurde dann – wie jeden Tag – „angezapft“ (bezeichnet als „Traditional Barrel Opening Ceremony“). Das hat am Freitag dann mal schnell der Deutsche Botschafter in Singapur erledigt. Ich konnte zwar nicht genau erkennen, wie viele Schläge er benötigt hat, aber es war anscheinend ganz anständig. Nach dem Essen (wirklich gut!) wurde es dann auch relativ schnell zünftiger: Der Asiate verträgt halt nicht so viel und steht dann umso schneller auf den Bänken. Der Niederbayer muss dann halt mitmachen – ob er will oder nicht. Die Stimmung war sehr gut, die Infineon-Crew (wir waren so ca. 30 Leute) ist auch recht gut abgegangen…

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Vor allem die Band war sehr gut. Zuerst wurde natürlich „Oompah“-Musik gespielt (die Klischees müssen ja erfüllt werden), aber dann gab’s eigentlich eher die übliche Partymusik: „Er gehört zu mir“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ und … „Atemlos“, logisch. Vieles auf deutsch. Ich musste natürlich alles mitsingen und war dementsprechend gegen Ende nicht nur gut angeheitert, sondern auch ziemlich heiser.

Besonders bei den Asiaten kam dann eine kleine interkulturelle Einlage der Band ausgesprochen positiv an: Die Sängerin hat ein in Asien anscheinend sehr bekanntes Schnulzen-Lied auf kantonesisch gesungen. Kantonesisch verstehen viele Singapurer zwar genausowenig wie ich (da sie Mandarin sprechen), aber es ging sofort ein Raunen durch den Saal und Handys wurden gezückt, um die Einlage gleich auf Video festzuhalten. Eines davon hat es auch auf Youtube geschafft:

Alles in allem hat mir dieser Abend sehr gut gefallen. So gut, dass ich am nächsten Tag erst Mal bis 16 Uhr im Bett bleiben musste, um alles auch mental richtig „verarbeiten“ zu können. Puuuuh!

Swiss Club, nächstes Jahr bin ich wieder dabei!

 

Bollywood Veggies

Neulich waren haben wir mal einen Ausflug in das „andere“ Singapur gemacht, in das vergleichsweise ländliche. Das lockt woanders vermutlich keinen hinterm Ofen hervor, aber wenn man in einem Stadtstaat lebt, der unheimlich dicht besiedelt ist, findet man ein bisschen unberührtes Grün doch schon sehr nett.

Im Nordwesten der Insel gibt es diesen Streifen namens Kranji mit verschiedenen Farmen, die Gemüse anbauen, Frösche und Fische züchten. Auch eine Ziegenfarm ist dabei, wo man täglich beim Melken zuschauen kann. Und sogar eine Krokodilfarm. Die Bauern dort haben sich zu einem Verbund zusammengeschlossen, organisieren hin und wieder einen gemeinsamen Markt und sorgen dafür, dass man mit einem Shuttlebus in diesen relativ schlecht angebundenen Teil Singapurs fahren kann.

Die bekanntest Farm in Kranji ist wohl Bollywood Veggies. Auf ihrer Webseite und auf einem nicht zu übersehenden Schild am Eingang nennen sie sich ganz bescheiden „Paradise on Earth“. Das ist vielleicht etwas hochgegriffen, aber nett ist es dort schon. Und man kann auch gut und gesund dort essen (weil nur selbstangebautes Gemüse verkocht wird).

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Bisher bin ich an Kranji und Bollywood Veggies immer nur auf meinen Rennradtouren vorbeigefahren. Diesmal haben wir uns ganz bewusst an einem Sonntagmorgen dafür Zeit genommen. Leider war das Wetter nicht ganz auf unserer Seite, aber gleich nach unserer Ankunft konnten wir uns noch trockenen Fußes einer geführten Tour anschließen, wo sie dem Städter erzählen, wo das Gemüse herkommt. Wobei das auch für ein Landei wie mich schon interessant ist: Wer hat schon mal einen Mangobaum gesehen? Wer weiß, wie Avocados wachsen? Wie Chilis angebaut werden? Papaya?

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Vor allem Franzisa hat sich im „Paradies auf Erden“ austoben können. Und eine Singapurer Omi hat sie gleich so ins Herz geschlossen, dass wir sie ein paar Minuten für Fotos mit ihrer Family „ausleihen“ mussten. Ein neues Geschäftsmodell für uns?

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Als dann der Regen kam, haben wir uns gemütlich unters Dach verzogen und uns kulinarisch die Zeit bis zur Abfahrt des nächsten Shuttlebus vertrieben.

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Und einen Sinnspruch haben wir dann auch noch mitgenommen aus dem „Paradies“:

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Happy New Year!

Unser erstes Silvester in Singapur haben wir ganz fancy in einem Hotel auf der Orchard Road verbracht. Unsere niederländischen Nachbarn haben uns dorthin quasi mitgenommen, wir wussten eigentlich gar nicht so genau, was uns da erwartet. Für die Kleinen haben wir eine Babysitterin organisiert. Los ging es dann erstmal mit einem opulenten Buffet und bergeweise Seafood und lokalen Spezialitäten (die wir allerdings nicht alle durchprobiert haben, da das anhand des Angebots an Schalengetier eher Platzverschwendung gewesen wäre). Franzi haben wir zwischendurch schon ins Bett gebracht, denn länger als 19:30 hält sie eigentlich ohnehin nicht durch.

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DSC00503 (Large)Mom’s night out!

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Ordentlich vollgegessen und leicht angeschwipst (auch ein ganz kleiner Rausch kostet hier leider schon richtig schmerzhaft Geld), ging es dann auf die Party. Diese fand auf der richtig beeindruckenden Rooftop Terrasse statt. Die Poollandschaft dort ist super, das Hotel (Jen on Orchardgateway) ist ein echter Geheimtipp, wenn man nicht das Geld für den Infinity Pool des Marina Bay Sands ausgeben will – wahrscheinlich einige Nummern kleiner als dort, aber ein Wahnsinnsblick auf die Skyline!

Zwischendurch haben wir allerdings nochmal bei den Kleinen vorbeigeschaut und festgestellt, dass beide NICHT geschlafen haben. War wohl alles zu aufregend. Der dreijährige Sohn von den Nachbarn ist dann einfach zur Party mitgekommen, was gar kein Problem war, da dort ohnehin einige kleinere Kinder mit Nannies oder Großeltern herumgesprungen sind. Der blonde kleine Bub hat dann auch ein paar Herzen im Sturm erobert. Von der Dachterrasse hatten wir dann auch einen tollen Blick auf Marina Bay, wo ein Feuerwerk stattfand, sowie auf die restliche Skyline.

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Leider wurde Mama dann auch einige Minuten nach zwölf von Franzi „gerufen“, die partout nicht schlafen wollte oder konnte… aber so ist das eben. Wir sind jetzt mal gespannt auf Chinese New Year, das ist hier nun das nächste wirkliche Großereignis… davon werden wir natürlich dann auch berichten!

Euch allen ein wundervolles 2015!

Kaffee in Singapur – western vs. local

Unsere Espressomaschine hat den Transport im Seefracht-Container gut überstanden und leistet uns zu Hause gute Dienste. Die Großfamilien-Ladung Lavazza-Kaffeebohnen konnten wir auch ohne Probleme einführen. Somit wird zu Hause fleissig italienischer Espresso getrunken:

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In der Arbeit brühe ich wie schon in Deutschland einfachen Filterkaffee mit meinem Hario-Handfilter und den japanischen Spitzfiltertüten und Bohnen aus Vietnam (leider nicht die von der Sorte Chari oder Cattimor mit dem nussig-schokoladigen Geschmack; ich bin noch auf der Suche):

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Aber hin und wieder gönne ich mir auch einen „local coffee“ oder Kopi. Dabei besteht die Kunst in der Bestellung der richtigen Variante. Es gibt:

Kopi – Coffee with Condensed Milk
(„Kopi“ in Malay language means „Coffee“)
Kopi O – Coffee with Sugar
(„O“ in Hokkien Dialect means „Black“)
Kopi C – Coffee with Sugar & Evaporated Milk
(„C“ in Hainese Dialect means „Fresh“)
Kopi O Kosong – Coffee without Sugar & Condensed Milk
(„Kosong“ in Malay Lanuage means „Empty“)
Kopi Peng – Iced Coffee
(„Peng“ in Hokkien Dialect means „Ice“)
Kopi Siew Dai – Coffee wirh Less Sweet
(„Siew Dai“ in Hock Chew Dialect means „Less Sweet“)
Kopi Ga Dai – Coffee with More Sweet
(„Ga Dai“ in Hock Chew Dialect means „More Sweet“)
Kopi Gao – Coffee Thick
(„Gao“ in Hokkien Dialect means „Thick“)
Kopi Di Lo – Coffee Extra Thick
(„Di Lo“ in Hokkien Dialect means „Pour All The Way“)
Kopi Poh – Coffee Thin
(„Poh“ in Hokkien Dialect means „Thin“)
Kopi Sua – Double Order of Same Coffee
(„Sua“ in Chinese Hokkien Dialect means „Follow“)

Und dann kann man die verschiedenen Varianten auch noch beliebig kombinieren. Das hier ist zum Beispiel keine Cola mit Eis, sondern ein Kopi O Gao Kosong Peng – erfrischend und ziemlich stark:

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Wer’s genauer wissen will, liest hier nach:
http://drinks.seriouseats.com/2012/08/snapshots-from-singapore-a-guide-to-singaporean-coffee-kop-how-to-order-how-its-made.html