I beg your pardon… High Tea im Raffles Hotel

Zum Abschied aus Deutschland hatten wir von meinen Ex-Kollegen in München einen Gutschein für das Raffles Hotel geschenkt bekommen. Diverse Male hatten wir schon einen Versuch unternommen und einen Tisch fürs Frühstückbuffet dort reserviert – aber aus verschiedenen Gründen immer wieder kurzfristig abgesagt.

Jetzt haben wir es endlich zum High Tea geschafft. High Tea, das heißt übersetzt: sich die Plauze vollhauen mit ungesundem Süßzeug und Dim Sum von 15:30 bis 17 Uhr. Aber in stilvoller Atmosphäre. Dresscode ist Smart Casual. Nix mit Shorts und Flipflops.

Das Raffles Hotel ist wie ein Relikt aus einer anderen Zeit, als die englischen Kolonialherren in Singapur residierten und sich möglichst ihr London in den Tropen nachbauen wollten. Berühmt ist das Raffles Hotel für zwei Ereignisse:

  • Hier wurde der letzte frei lebende Tiger Singapurs 1902 erlegt (angeblich hat er sich unter einem Billardtisch versteckt).
  • Hier wurde der Cocktail Singapore Sling erfunden.

Den Singapore Sling kann man in der Long Bar für schlappe 31 SGD trinken. Das sind knapp über 20 EUR.

Unser High Tea-Erlebnis war dann ganz nett, wobei die Auswahl der Sauereien noch etwas größer hätte sein können. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Hier ein paar Eindrücke eines entspannten Nachmittags:

Das setzt natürlich Maßstäbe für die Verpflegung, wenn wir jetzt in Kürze wieder in Deutschland und bei unseren Eltern zu Gast sind… 🙂

Schon wieder Neujahr!

Grad erst den Silvesterkater auskuriert (wobei der aufmerksame Leser jetzt einwenden wird, dass wir doch auf Koh Samui vergleichsweise nüchtern und früh ins Bett gegangen sind) und schon ist wieder ein Neujahrsfest, das gefeiert werden muss. Das Chinese bzw. Lunar New Year. Der Kalender meint es dieses Jahr sehr gut mit uns und beschert uns durch zwei Feiertage am Montag und Dienstag ein langes Wochenende. Zufällig fällt das dieses Jahr auch mit dem Fasching in Deutschland zusammen.

Nach dem Jahr des Pferdes (2014), der Ziege (2015) ist es in den kommenden 12 Monaten das Jahr des Affen.

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Wer sich für die chinesischen Tierkreiszeichen interessiert, findet hier eine schöne Zusammenstellung über die Bedeutungen, Glückszahlen, Karriereaussichten und auch einen Rechner, in dem man sein eigenes Sternzeichen berechnen kann. Ich bin ein Dragon, Veronika ein Rooster und Franziska ein Horse…

Wie immer geht’s natürlich bei den Chinesen um Geld, Reichtum, Erfolg. Alles, was diesem Mammon förderlich ist, wird dann getan – auch wenn es noch so doof erscheint. Ein paar der Bräuche hatte ich letztes Jahr im einem Blog-Beitrag schon erwähnt: die roten Umschläge mit ein paar neuen 2-Dollar-Scheinen, der Frühjahrsputz, das Zurückzahlen der Schulden, etc.

Besonders interessant ist der Brauch, an einem bestimmten Tag, dem Farmers’s Day oder Li Chun am 4. Februar) in einem bestimmten Zeitfenster Geld aufs Konto einzuzahlen. Das bringt dann nämlich angeblich auch Reichtum (ich denke, es sollte letztlich im Idealfall mehr sein als das, was man einzahlt). Da stehen sie dann in langen Schlangen vor dem Bankschalter… Nicht alle Singapurer finden das toll, v.a. nicht diejenigen, die nur selbst schnell Geld abheben wollen.

Leider war das Wetter am langen Wochenende sehr schlecht, da wir immer noch in der Regenzeit sind. Wir waren trotzdem am Tag 1 von Chinese New Year beim sog. River Hongbao, einem seit 1986 stattfindenen Chinese New Year-Festival an der Marina Bay und am Singapore River. Eine Nachbarin von uns, die am Vorabend schon dort war, hat es „Chinesen-Kirmes“ genannt. Eigentich trifft es das ganz gut. Neben ein paar Attraktionen für Kinder und mehreren Bühnen mit Musikdarbietungen gibt es dann natürlich (Singapur!) auch eine sehr gelungene Food Street mit Essen aus allen Teilen Asiens. Richtig schön wird es nach Einbruch der Dunkelheit, wenn alles bunt beleuchtet ist. Und über allem wacht der übergroße Fortune God…

Hier ein paar Eindrücke:

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Wir wünschen Euch in guter alter Marc Zuckerberg-Manier ebenfalls Gong Xi Fa Cai oder ein gutes neues Jahr! Franziska heißt aber weiterhin mit zweitem Namen Maria und kriegt keinen chinesischen Vornamen…

Bukit Brown Cemetery – der chinesische Dschungel-Friedhof

Nachdem wir am Neujahrstag aus unserem ruhigen Thailand-Urlaub (Bericht folgt) wieder in der hektischen Großstadt angekommen sind und erstmal keine Lust auf Shopping Mall und Menschenansammlungen hatten, haben wir uns ein Erkundungsziel ausgesucht, das schon länger auf unserer Liste stand: der Bukit Brown Cemetery, einen alten, mittlerweile sehr verwitterten chinesischen Friedhof, nicht weit von uns zu Hause weg.

Bukit Brown als Ausflugsziel ist aber mal irgendwie gar nicht nach dem Geschmack der Singapurer: So wirklich erschlossen ist der Friedhof nicht (mehr), die Eingänge sind schwer zu finden, es gibt keinerlei touristische Infrastruktur, keine öffentliche Toilette, keinen Hawker Center und auch keine sonstigen Attraktionen. Dementsprechend menschenleer ist das Areal. Wir haben eigentlich bis auf einen alten, joggenden Herrn keine Menschenseele getroffen. Ein sehr erhebendes Gefühl in der Millionenstadt!

Der Bukit Brown Friedhof war mal der größte chinesische Friedhof außerhalb Chinas. Heute werden auf dem Friedhof längst keine Bestattungen mehr durchgeführt. Aktive Friedhöfe findet man in Singapur aktuell nur noch links und rechts der Lim Chu Kang Road im äußersten Westen der Insel. Dort sind dann aber gleich alle möglichen Ruhestätten vertreten: chinesische, muslimische, christliche, jüdische, hinduistische und die von Glaubensrichtungen, von denen ich noch nie was gehört habe (z.B. Ahmadiyya Jama’at, Parsi und Bahá’í). Alles auf einem Fleck.

Nachdem der Bukit Brown Friedhof schon seit Jahren nicht mehr für neue Bestattungen benutzt wird und die Gräber auch nicht in unserem deutschen Sinne „gepflegt“ werden, hat sich der Dschungel weite Teile davon bereits wiedergeholt. Manche Gräber sind bereits total verwittert. Dafür haben sich viele Vögel hier ein Rückzugsgebiet geschaffen. Auch wilde Hunde soll es dort geben. Affen sowieso.

Hier ein paar Impressionen unseres Nachmittags:

Leider ist jedes Stück unberührte Natur in Singapur gefährdet. Auch für das Bukit-Brown-Areal gibt es schon seit den 70er Jahren „Redevelopment“-Pläne. Aktuell baut man z.B. eine neue vierspurige Straße mitten durch das Gelände. Eine U-Bahnstation „Bukit Brown“ der Circle Line gibt es auch schon, am Rande des heutigen Friedhofs. Diese ist aber derzeit einfach nur ein unscheinbarer, fensterloser Betonkasten auf einer grünen Wiese. Wenn man in 10-20 Jahren hier einmal Häuser gebaut hat, ist der U-Bahn-Anschluss bereits da und das unterirdische Netz kann an dieser Stelle ganz einfach „angezapft“ werden.

Zwar gibt es einige Lobbyisten, Natur- und Kulturliebhaber, die den Friedhof gerne im jetzigen Status konservieren würden, aber die langfristige Stadtplanung wird hier wohl den Sieg davon tragen. Einen Park zu Naherholungszwecken hat man ja mit dem Mac Ritchie Reservoir bereits gleich in der Nachbarschaft…

Jahresrückblick 2015

Nun ist es ja bereits einige Zeit her seit meinem letzten Blogeintrag – seitdem hat sich einiges getan. Das Jahr ist wie im Flug vergangen, was wohl auch an der fehlenden Orientierung durch Jahreszeiten liegt. Frühling, Sommer, Herbst und Winter ist hier fast gleich 😉

Zunächst mal zum unbestrittenen Hauptdarsteller in unserem Leben – Franzi hat sich dieses Jahr vom Baby zum Kleinkind „ausgewachsen“ und mittlerweile ist nichts mehr vor ihr sicher. Kaum zu glauben, letztes Weihnachten war sie noch ein Krabbelkind! Gut, dass wir keinen Christbaum haben, denn das wäre wahrscheinlich etwas nervenaufreibend. Sie klettert sogar über Kinderschutzgitter und ihr Bettgitter, welches wir dann aus Sicherheitsgründen abmontiert haben. Tagsüber schlafen ist auch nicht ihr Ding, der Mittagsschlaf dauert gerade noch eine bis anderthalb Stunden. Dafür geht sie abends aber auch bereitwillig ins Bett und schläft bis morgens durch. Momentan sind wir meistens vormittags auf einem Spielplatz, nachmittags im Pool oder bei einem sog. Playdate. Ab Februar nächsten Jahres wird sie halbtags einen Montessori-Kindergarten besuchen und dort in der Playgroup hoffentlich nette Spielkameraden haben.

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Dann gab es ja im Februar auch noch einen weiteren „Neuzugang“ in unserer Familie. Beth (Elizabeth) unterstützt uns im Haushalt und passt auf Franzi auf – wir haben mit ihr rückblickend wirklich großes Glück gehabt und sind froh, dass sie bei uns wohnt. Sie ist 49 Jahre jung, kommt von den Philippinen und wir verstehen uns richtig gut mit ihr. Wir haben ja gezielt nach jemand mit mehr Erfahrung (v.a. mit kleinen Kindern) gesucht und man merkt, dass sie Spaß mit Franzi hat. Für Franzi ist sie eine dritte Bezugsperson, wenn die Mama aus dem Haus geht, gibt es beispielsweise keine Tränen. Es ist natürlich auch vor allem aus deutscher Sicht ein wahnsinniger Luxus, so viel Hilfe zu haben und wir versuchen, uns dessen immer bewusst zu sein.

Stefan hat ja hier schon mehrfach von seinen Biketouren in Singapur berichtet. Mittlerweile hat er hier auch keine „Me-Time“ mehr, denn ich habe seit ein paar Wochen nun auch ein neues Rennrad und bin schon ein paar Mal mitgefahren. Und es macht tatsächlich viel Spaß und die Bike-Gang ist auch sehr nett. Eine gute Gelegenheit, was „ohne Kind“ zu unternehmen und neue Ecken von Singapur zu erkunden.

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Bei mir hat es ja trotz intensiver Bemühungen bisher nicht mit einem lokalen Job geklappt, was auf Dauer relativ frustrierend war. Allerdings habe ich nun auch in eine andere Richtung weiter gearbeitet und ein eigenes kleines Unternehmen gegründet – www.sundaykids.sg. Unter diesem Label stelle ich mit Hilfe von zwei Singapurer Damen Kinderwagenauflagen und -Accessoires her, das ist in Singapur meiner Meinung nach eine Marktlücke, da die Kids im Kinderwagen viel schwitzen und die Auflagen der Kinderwagen-Hersteller aus Synthetikstoffen und schlecht waschbar sind. Zusätzlich sind meine Auflagen natürlich auch noch ein Hingucker 😉 Das Business läuft erst seit Oktober und die ersten Monate waren recht vielversprechend, vielleicht ist das also durchaus eine Alternative und außerdem bleibt immer noch Zeit für Ausflüge mit Franzi, denn gearbeitet werden kann auch, wenn sie schon im Bett ist.

Schaut doch mal auf meiner Webseite vorbei, meinem Etsy-Shop oder auf meiner Sunday Kids-Facebook-Seite. Vielleicht verkaufe ich auch bald über die in Deutschland bekanntere Plattform Dawanda, um die deutsche Kundschaft besser zu bedienen.

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Dann hatten wir dieses Jahr auch noch einige Besuche – Stefans Vater, meine Mutter mit meiner Patentante, mein Vater und Regina, Stefans Cousin und einige weitere Freunde waren bei uns, was uns die Gelegenheit gegeben hat, weitere Attraktionen von Singapur zu erkunden und unsere neue Heimat „herzuzeigen“.

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Und im Januar und August waren wir auch in Deutschland – krasse temperaturmäßige Gegensätze, im Januar bei ziemlichen Minusgraden und im August bei ähnlich heißem Wetter wie in Singapur. Den Home Leave im August haben wir sehr genossen – es war fast so, als wären wir nie weggegangen und wir hätten geradewegs in unsere Wohnung in der Steinstraße zurückfahren können.

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Im Herbst gab es dann noch den sogenannten „Haze“, giftigen Rauch durch die Brandrodung von Wald- und Sumpfgebieten in Indonesien, der dieses Jahr besonders schlimm war und über zwei Monate ganz Südostasien geplagt hat. Wir hoffen, dass das nun mit der Regenzeit erledigt ist und dass die Feuer dort unten nicht wieder aufflammen, was die Medien allerdings bereits vorausgesagt haben.

Ansonsten seid Ihr ja durch den Blog einigermaßen auf dem Laufenden, was hier das Jahr über so passiert ist. Unsere Weihnachtsfotos von der Orchard Road sind auch online – so ist Weihnachten eben hier, ein Mix aus Kitsch und Konsum, wie eigentlich überall 😉 Heute werden wir noch ins Krippenspiel mit Franzi gehen, danach gibt es dann das traditionelle Weihnachtsessen von meiner Oma (Sauerkraut und Würstl mit Erbsenpüree), Geschenke und eine Skype-Runde mit den Großeltern. Morgen fliegen wir dann ganz untraditionell nach Koh Samui mit Freunden und deren gleichaltriger Tochter und werden dort noch die restlichen Feiertage und Silvester unter Palmen verbringen.

Auf ein ebenso ereignisreiches Jahr 2016!

Eure Vroni (mit Stefan und Franzi)

Weihnachtsstimmung auf der Orchard Road

Weihnachten in Deutschland ist ja gedanklich eng mit Winter, Schnee und Glühwein verknüpft. Dank der amerikanischen Weihnachtsfolklore hat sich dieses Bild auch weltweit durchgesetzt: White Christmas, Jingle Bells mit seinem Pferdeschlitten, Chestnuts Roasting On An Open Fire… Dabei ist mindestens mal auf der einen Hälfte der Erde im Dezember Sommer. Und auch von Deutschland höre ich, dass dieses Jahr hinsichtlich Schnee und Minustemperaturen eher weniger geboten ist.

In Singapur beschränkt sich die Weihnachtsstimmung mangels Temperaturen unter 25 Grad (siehe trotzdem unseren Beitrag zum Thema Winter bzw. Monsoon Season) auf die üblichen, teilweise amerikanischen/globalen Klischees: Weihnachtslieder überall (wobei Last Christmas unterrepräsentiert ist), geschmückte Christbäume schon ab November und vor allem Weihnachtsbeleuchtung im Übermaß. Übel nehmen darf man es dem Singapurer nicht: Zwar sind ca. 20% der Singapurer christlichen Glaubens, feiern aber nach Staatsräson die Feiertage aller Religionen gleichberechtigt. Da geht’s dann fast nahtlos vom indischen Lichterfest Deepavali im November über in die Weihnachtszeit und ab Januar laufen schon die Vorbereitungen für Chinese New Year. Weihnachten ist halt eines von vielen Festen, an denen man auch einen Feiertag mitnehmen kann, aber ansonsten seinen Hobbies nachgeht: Essen und Shopping.

Wir waren gestern extra wegen der Weihnachtsdekoration auf der Orchard Road, der Haupteinkaufsstraße Singapurs, und haben ein paar Fotos geschossen. Schon beeindruckend, obwohl manchmal die Grenzen zum Kitsch schon deutlich überschritten werden. Hat ein bisschen was von New York City, aber ohne dass man sich den A… abfrieren muss.

Hier ein paar Impressionen zum Durchklicken:

O’zapft is! (Teil 1)

Im August waren wir ja bereits auf dem Straubinger Volksfest „im Bierzelt-Einsatz“ und meine Lederhose hat mittlerweile die Welt schon ein paar Mal umrundet (entfernungstechnisch gesehen): Zuerst hatte ich sie im Umzugscontainer nach Singapur verschifft. Dann habe ich mir doch Sorgen gemacht, weil hier bei der hohen Luftfeuchtigkeit auch mal Sachen anschimmeln können und die Hose bei einer meiner Dienstreisen nach München wieder daheim eingemottet. Jetzt bei unserem Rückflug nach Singapur im August habe ich sie dann spontan wieder eingepackt. Mit gutem Grund.

Wie in vielen Städten in der Welt gibt es nämlich auch in Singapur diverse Oktoberfestveranstaltungen. Teilweise als separate Partyevents organisiert, teilweise von den diversen bayerischen Lokalen in Singapur veranstaltet: z.B. von Paulaner oder von der Restaurantkette Brotzeit. Der Bierpreis dabei steht auf Grund der Verteufelung von Alkohol in Singapur dem in München in nichts nach bzw. übersteigt diesen sogar noch.

Ich durfte letzte Woche dem Oktoberfest vom Swiss Club beiwohnen, anscheinend seit Jahren ein Klassiker:

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Vier Tage lang kann man hier relativ gut bayrisch essen (all you can eat und im Ticketpreis inbegriffen) und Erdinger Weißbier aus Halbliterkrügen trinken (der einzige Kritikpunkt hinsichtlich Authentizität). Wer keine Lust aufs ständige Nachbestellen hat kann eine 3,5 Liter Abfüllvorrichtung (mir fällt kein besseres Wort ein) bestellen, aus der man sich dann selbständig nachzapfen kann.

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Ich hatte eine Karte für Freitag über Infineon bekommen. Freitags ist nämlich der Sponsorentag, wo natürlich hauptsächlich deutsche Firmen engagiert sind. Gefeiert wird selbstverständlich in einem richtigen Bierzelt, das auf dem Sportplatz vom Swiss Club aufgebaut ist und 2000 Personen Platz bietet – selbstverständlich klimatisiert, denn ohne Klimaanlage geht es natürlich in Singapur nicht (wo kämen wir denn da hin!). Da musste ich sofort an unseren letzten Volksfestbesuch im August denken, wo wir bei 36 Grad auch Aircon brauchen hätten können. Los ging’s abends um 19 Uhr. Es waren natürlich viele „Langnasen“ da (viele davon auch in Tracht), aber auch viele Asiaten. Eigentlich eine ganz gute Mischung.

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Neben dem Essen ist eine Halbe Bier im Preis inbegriffen, den Nachschub muss man dann mit Coupons bezahlen. Um 20 Uhr wurde dann – wie jeden Tag – „angezapft“ (bezeichnet als „Traditional Barrel Opening Ceremony“). Das hat am Freitag dann mal schnell der Deutsche Botschafter in Singapur erledigt. Ich konnte zwar nicht genau erkennen, wie viele Schläge er benötigt hat, aber es war anscheinend ganz anständig. Nach dem Essen (wirklich gut!) wurde es dann auch relativ schnell zünftiger: Der Asiate verträgt halt nicht so viel und steht dann umso schneller auf den Bänken. Der Niederbayer muss dann halt mitmachen – ob er will oder nicht. Die Stimmung war sehr gut, die Infineon-Crew (wir waren so ca. 30 Leute) ist auch recht gut abgegangen…

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Vor allem die Band war sehr gut. Zuerst wurde natürlich „Oompah“-Musik gespielt (die Klischees müssen ja erfüllt werden), aber dann gab’s eigentlich eher die übliche Partymusik: „Er gehört zu mir“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ und … „Atemlos“, logisch. Vieles auf deutsch. Ich musste natürlich alles mitsingen und war dementsprechend gegen Ende nicht nur gut angeheitert, sondern auch ziemlich heiser.

Besonders bei den Asiaten kam dann eine kleine interkulturelle Einlage der Band ausgesprochen positiv an: Die Sängerin hat ein in Asien anscheinend sehr bekanntes Schnulzen-Lied auf kantonesisch gesungen. Kantonesisch verstehen viele Singapurer zwar genausowenig wie ich (da sie Mandarin sprechen), aber es ging sofort ein Raunen durch den Saal und Handys wurden gezückt, um die Einlage gleich auf Video festzuhalten. Eines davon hat es auch auf Youtube geschafft:

Alles in allem hat mir dieser Abend sehr gut gefallen. So gut, dass ich am nächsten Tag erst Mal bis 16 Uhr im Bett bleiben musste, um alles auch mental richtig „verarbeiten“ zu können. Puuuuh!

Swiss Club, nächstes Jahr bin ich wieder dabei!

 

Schnuck – Der Bademeister

Der kleine Schnuck hat sich mittlerweile zu einer richtigen Wasserratte entwickelt und genießt seine beinahe täglichen Pool-Ausflüge.

Grund genug, um die Fortschritte mal im Video festzuhalten (Musik: Dendemann – Endlich Nichtschwimmer, Die Pfütze des Eisbergs, 2006):

[vimeo 139221217 w=580&h=280]

 

Nachtrag:
Wegen weiterhin andauerndem GEMA- und Youtube-Zwist bei Videos mit urheberrechtlich geschützter Musik habe ich das Video bei Vimeo.com gehostet. Bei Youtube gäbe es in Deutschland leider nur diesen Schirm hier zu sehen:

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Haze – bei uns herrscht dicke Luft

Singapur ist ja bekanntermaßen eine saubere Stadt: Man sieht wenig Müll auf der Straße, keine Zigarettenstummel am Boden, keiner spuckt auf den Boden (wie in China) und generell hat man den Eindruck, dass der Singapurer seine Stadt ganz gut sauber hält. Das gilt aber nicht für die Luft, die der Wind nach Singapur von außen hineinbläst.

Bisher hat man von Luftverschmutzung auch wenig gemerkt. Sicher trägt der doch recht heftige Verkehr dazu bei, dass es wie in vielen Metropolen eine gewisse Grund-Luftverschmutzung gibt. Wir haben in jedem Zimmer einen Deckenventilator und den muss man z.B. alle paar Wochen von einer spürbaren, schwarzen Staubschicht befreien. Aber alles in allem ist die Luft hier sauber und man schaut kopfschüttelnd nach China, wo das Problem ja teilweise schon überhand nimmt.

Aber regelmäßig im Sommer bzw. Spätsommer und mal stärker, mal schwächer gibt es dieses lästige Phänomen namens Haze. Da kommt der Dreck eben von außen und zwar in Form von Smog infolge unkontrollierter Brände und Brandrodungen in den Nachbarländern. Vor allem in Indonesien werden illegal Wälder brandgerodet, um dann im Anschluss bestehende Palmöl-Plantagen ausbauen zu können. Das ist zwar alles verboten, aber in Singapur glaubt keiner, dass die Regierung in den Nachbarländern da wirklich hart durchgreift.

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Wenn der Wind dann schlecht steht bzw. es auch im indonesischen Teil Borneos brennt und Singapur quasi „in die Zange genommen“ wird, dann wird es hier richtig eklig. Die Luft riecht verbrannt, manche Leute haben Probleme mit den Augen und Schleimhäuten generell, die Sonne kommt nicht mehr richtig durch und körperliche oder sportliche Aktivitäten im Freien werden ungesund.

Die Skyline sieht dann aus wie an einem verregneten Schlechtwettertag, wobei es eigentlich weit und breit keine Wolke am Himmel gibt (was man aber natürlich nicht sieht).

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Hier ungefähr dieselbe Aufnahme ohne Haze:

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Abends fühlt man sich wie an einem Herbsttag in Deutschland, wenn dort ein leicht nebliger Schleier in der Luft liegt.

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Zur Zeit ist es recht heftig und die Leute reden über nichts anderes. Jeder verfolgt auf diversen Webseiten und Apps, wie sich die entsprechenden Werte entwickeln. Allen voran der Air Quality Index (AQI), der mit dem sog. PM2.5-Wert misst, wieviel Feinstaubteilchen mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer in der Luft sind. Das sind anscheinend auch die gefährlichen Teilchen, weil diese in der Lunge verbleiben. Ich habe daher aktuell auch meine Fahrradaktivitäten stark eingeschränkt. Teilweise werden die Fahrten ab bestimmten PM2.5-Werten auch vorher abgesagt. Einige wenige „Harte“ fahren trotzdem…

Aktuell liegt der PM2.5-Wert über 120, was schon als „ungesund“ bezeichnet wird. An normalen Tagen ohne Haze liegt er immer um die 50 bis 70. Gestern Nacht lag das Maximum bei über 200!

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Zum Vergleich: Hier der aktuelle Vergleichswert für München:

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Das ist natürlich ein krasser Unterschied. Aber nichts gegen die Werte aktuell in China:

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Im Endeffekt kann man auch als Einzelner nichts tun: Generell hofft man, dass die indonesischen Behörden die Feuer in den Griff bekommen und löschen, dass der Wind etwas dreht und die Suppe woanders hinweht und dass es auch hier in Singapur mal ordentlich regnet (was es seit über einer Woche nicht mehr getan hat). Sport treibt man am besten drinnen und nutzt die Zeit, um z.B. sein Fahrrad wieder mal zu putzen.

Wenn es schlimmer werden sollte (z.B. muss es 2013 noch deutlich heftiger gewesen sein), dann haben wir uns mit ein paar N95-Masken eingedeckt, die wenigstens den groben Rotz von einem fernhalten. Aktuell sieht man bereits einige Leute auf der Straße mit solchen Masken, aber noch geht es.

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Aber im Endeffekt kann man eben nur abwarten – oder das ganze ein wenig mit Humor nehmen:

Franziskas Erster Geburtstag

Franzi ist ja mittlerweile stolze 1!!! Jahre alt und der erste Geburtstag wurde natürlich auch ein bisschen gefeiert!

DSC01104Alles da: Kuchen, Geschenke, Blümchen, Kerze… Nur die Hauptperson fehlt noch.

Da ist sie!

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Das ist aber interessant… man würde es gerne anfassen! Happy Birthday, Schnuck!

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Franzi isst Geburtstags“kuchen“ (Bananenmuffin. Wir versuchen, den Zucker noch von ihr fernzuhalten. Klappt immer weniger gut).

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Beim Geschenke-Auspacken muss die Mama noch helfen. Auch beim Vorlesen der Geburtstagskarte von Oma.

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DSC01145Eine Sortierrolle von Oma. Kommt gut an! (Stichwort „Das Runde muss ins Eckige!“).

DSC01158Das Geburtstags-Outfit.

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(Für die Muttis gab es auch was.)

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Parteyyy! Mit Franzi & Friends.

Insgesamt ganz schön anstrengend, so ein Geburtstag! Franzi war abends erledigt und die Eltern auch. Mal sehen, wie das die nächsten 10-12 Jahre so ablaufen wird…