Bukit Brown Cemetery – der chinesische Dschungel-Friedhof

Nachdem wir am Neujahrstag aus unserem ruhigen Thailand-Urlaub (Bericht folgt) wieder in der hektischen Großstadt angekommen sind und erstmal keine Lust auf Shopping Mall und Menschenansammlungen hatten, haben wir uns ein Erkundungsziel ausgesucht, das schon länger auf unserer Liste stand: der Bukit Brown Cemetery, einen alten, mittlerweile sehr verwitterten chinesischen Friedhof, nicht weit von uns zu Hause weg.

Bukit Brown als Ausflugsziel ist aber mal irgendwie gar nicht nach dem Geschmack der Singapurer: So wirklich erschlossen ist der Friedhof nicht (mehr), die Eingänge sind schwer zu finden, es gibt keinerlei touristische Infrastruktur, keine öffentliche Toilette, keinen Hawker Center und auch keine sonstigen Attraktionen. Dementsprechend menschenleer ist das Areal. Wir haben eigentlich bis auf einen alten, joggenden Herrn keine Menschenseele getroffen. Ein sehr erhebendes Gefühl in der Millionenstadt!

Der Bukit Brown Friedhof war mal der größte chinesische Friedhof außerhalb Chinas. Heute werden auf dem Friedhof längst keine Bestattungen mehr durchgeführt. Aktive Friedhöfe findet man in Singapur aktuell nur noch links und rechts der Lim Chu Kang Road im äußersten Westen der Insel. Dort sind dann aber gleich alle möglichen Ruhestätten vertreten: chinesische, muslimische, christliche, jüdische, hinduistische und die von Glaubensrichtungen, von denen ich noch nie was gehört habe (z.B. Ahmadiyya Jama’at, Parsi und Bahá’í). Alles auf einem Fleck.

Nachdem der Bukit Brown Friedhof schon seit Jahren nicht mehr für neue Bestattungen benutzt wird und die Gräber auch nicht in unserem deutschen Sinne „gepflegt“ werden, hat sich der Dschungel weite Teile davon bereits wiedergeholt. Manche Gräber sind bereits total verwittert. Dafür haben sich viele Vögel hier ein Rückzugsgebiet geschaffen. Auch wilde Hunde soll es dort geben. Affen sowieso.

Hier ein paar Impressionen unseres Nachmittags:

Leider ist jedes Stück unberührte Natur in Singapur gefährdet. Auch für das Bukit-Brown-Areal gibt es schon seit den 70er Jahren „Redevelopment“-Pläne. Aktuell baut man z.B. eine neue vierspurige Straße mitten durch das Gelände. Eine U-Bahnstation „Bukit Brown“ der Circle Line gibt es auch schon, am Rande des heutigen Friedhofs. Diese ist aber derzeit einfach nur ein unscheinbarer, fensterloser Betonkasten auf einer grünen Wiese. Wenn man in 10-20 Jahren hier einmal Häuser gebaut hat, ist der U-Bahn-Anschluss bereits da und das unterirdische Netz kann an dieser Stelle ganz einfach „angezapft“ werden.

Zwar gibt es einige Lobbyisten, Natur- und Kulturliebhaber, die den Friedhof gerne im jetzigen Status konservieren würden, aber die langfristige Stadtplanung wird hier wohl den Sieg davon tragen. Einen Park zu Naherholungszwecken hat man ja mit dem Mac Ritchie Reservoir bereits gleich in der Nachbarschaft…