Haze – bei uns herrscht dicke Luft

Singapur ist ja bekanntermaßen eine saubere Stadt: Man sieht wenig Müll auf der Straße, keine Zigarettenstummel am Boden, keiner spuckt auf den Boden (wie in China) und generell hat man den Eindruck, dass der Singapurer seine Stadt ganz gut sauber hält. Das gilt aber nicht für die Luft, die der Wind nach Singapur von außen hineinbläst.

Bisher hat man von Luftverschmutzung auch wenig gemerkt. Sicher trägt der doch recht heftige Verkehr dazu bei, dass es wie in vielen Metropolen eine gewisse Grund-Luftverschmutzung gibt. Wir haben in jedem Zimmer einen Deckenventilator und den muss man z.B. alle paar Wochen von einer spürbaren, schwarzen Staubschicht befreien. Aber alles in allem ist die Luft hier sauber und man schaut kopfschüttelnd nach China, wo das Problem ja teilweise schon überhand nimmt.

Aber regelmäßig im Sommer bzw. Spätsommer und mal stärker, mal schwächer gibt es dieses lästige Phänomen namens Haze. Da kommt der Dreck eben von außen und zwar in Form von Smog infolge unkontrollierter Brände und Brandrodungen in den Nachbarländern. Vor allem in Indonesien werden illegal Wälder brandgerodet, um dann im Anschluss bestehende Palmöl-Plantagen ausbauen zu können. Das ist zwar alles verboten, aber in Singapur glaubt keiner, dass die Regierung in den Nachbarländern da wirklich hart durchgreift.

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Wenn der Wind dann schlecht steht bzw. es auch im indonesischen Teil Borneos brennt und Singapur quasi „in die Zange genommen“ wird, dann wird es hier richtig eklig. Die Luft riecht verbrannt, manche Leute haben Probleme mit den Augen und Schleimhäuten generell, die Sonne kommt nicht mehr richtig durch und körperliche oder sportliche Aktivitäten im Freien werden ungesund.

Die Skyline sieht dann aus wie an einem verregneten Schlechtwettertag, wobei es eigentlich weit und breit keine Wolke am Himmel gibt (was man aber natürlich nicht sieht).

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Hier ungefähr dieselbe Aufnahme ohne Haze:

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Abends fühlt man sich wie an einem Herbsttag in Deutschland, wenn dort ein leicht nebliger Schleier in der Luft liegt.

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Zur Zeit ist es recht heftig und die Leute reden über nichts anderes. Jeder verfolgt auf diversen Webseiten und Apps, wie sich die entsprechenden Werte entwickeln. Allen voran der Air Quality Index (AQI), der mit dem sog. PM2.5-Wert misst, wieviel Feinstaubteilchen mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer in der Luft sind. Das sind anscheinend auch die gefährlichen Teilchen, weil diese in der Lunge verbleiben. Ich habe daher aktuell auch meine Fahrradaktivitäten stark eingeschränkt. Teilweise werden die Fahrten ab bestimmten PM2.5-Werten auch vorher abgesagt. Einige wenige „Harte“ fahren trotzdem…

Aktuell liegt der PM2.5-Wert über 120, was schon als „ungesund“ bezeichnet wird. An normalen Tagen ohne Haze liegt er immer um die 50 bis 70. Gestern Nacht lag das Maximum bei über 200!

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Zum Vergleich: Hier der aktuelle Vergleichswert für München:

AQI4

Das ist natürlich ein krasser Unterschied. Aber nichts gegen die Werte aktuell in China:

AQI3

Im Endeffekt kann man auch als Einzelner nichts tun: Generell hofft man, dass die indonesischen Behörden die Feuer in den Griff bekommen und löschen, dass der Wind etwas dreht und die Suppe woanders hinweht und dass es auch hier in Singapur mal ordentlich regnet (was es seit über einer Woche nicht mehr getan hat). Sport treibt man am besten drinnen und nutzt die Zeit, um z.B. sein Fahrrad wieder mal zu putzen.

Wenn es schlimmer werden sollte (z.B. muss es 2013 noch deutlich heftiger gewesen sein), dann haben wir uns mit ein paar N95-Masken eingedeckt, die wenigstens den groben Rotz von einem fernhalten. Aktuell sieht man bereits einige Leute auf der Straße mit solchen Masken, aber noch geht es.

N95

Aber im Endeffekt kann man eben nur abwarten – oder das ganze ein wenig mit Humor nehmen: